1600 - 1622 Der Zweitlerplan
Zur Jahrhundertwende war Süßholz, neben Sämereien und Gewürzpflanzen, eines der wichtigsten Exporterzeugnisse der Bamberger Gärtner. Aus Süßholz wurden Lakritze und Hustensaft hergestellt.Seit 1601 ist ein Waisenhaus am Kaulberg durch Rechnungen belegbar. Es war 1588 von Fürstbischof Ernst von Mengersdorf gestiftet worden und war ehemals ein Seelhaus für Pilger. Heute ist dort eine Jugendherberge untergebracht, Unterer Kaulberg 30.
1602 entstand der erste gründliche Abriss der Stadt Bamberg, der sogenannte Zweidlerplan. Der Kartograf und Landvermesser Petrus Zweidler aus Teuschnitz fertigte, auf Anweisung des Bischofs, vier Kupferstichplatten an, die am Ende einen Stadtplan von 103 x 83 cm Größe auf vier Blättern Papier ergaben. Mit der Grundrissdarstellung aus der Vogelperspektive kann man sich noch heute in der Altstadt zurechtfinden. Der Plan ist ein wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte und Stadtentwicklung, aber auch ein Meisterwerk der Kartografie.
Zweidler Plan / public domain
1605 erwarb die Stadt das Gasthaus „Zum Wilden Mann“ (Kranen 12) um dieses Gebäude abzureißen und für seine Bürger einen Veranstaltungsort zu schaffen. 1610 war der Renaissancebau so weit fertiggestellt, dass die ersten Veranstaltungen, vornehmlich Hochzeiten, stattfinden konnten. Daher rührt wohl auch die Bezeichnung Hochzeitshaus. Heute werden die Räume von der Universität genutzt.
1605 - 1611 begann, unter der Leitung des Nürnberger Stadtbaumeisters Jakob Wolff d. Ä., der Bau der beiden hinteren Flügel der späteren Neuen Residenz. Der sogenannte Gebsattelbau wurde noch im Stil der Renaissance ausgeführt. Bis zur endgültigen Fertigstellung des Fürstenhofes sollten noch 100 Jahre vergehen.
1609 wurde Johann Gottfried von Aschhausen einstimmig vom Domkapitel zum neuen Fürstbischof gewählt. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem man einen liederlichen Lebenswandel und Nähe zum Protestantismus vorwarf, war der neue Fürstbischof gerade das Gegenteil, er nahm die Reform der Kirche ernst. Um dem katholischen Glauben wieder zu altem Glanz zu verhelfen, holte er 1610 die Jesuiten, die Träger der Gegenreformation, nach Bamberg. Sie bezogen das ehemalige Karmeliterkloster in der Au (Austraße). Außerdem trat Aschhausen der Katholischen-Liga bei, die Herzog Maximilian von Bayern ins Leben gerufen hatte.
Am 10. Mai 1610 erließ Johann Georg ein Mandat gegen Wahrsagerei, Zauberei und abergläubische Bräuche. Dieses Mandat sollte die Grundlage der Hexenverfolgung im Hochstift werden. Die treibende Kraft hinter der Hexenverfolgung war Generalvikar und Weihbischof Friedrich Förner. Mit seinen Predigten befeuerte er den tief verwurzelten Aberglauben der Menschen und präsentierte Schuldige für die damaligen Wetterkapriolen, die als Kleine Eiszeit in die Geschichte eingehen sollten. Außerdem veröffentlichte er eine Sammlung von Hexenpredigten in lateinischer Sprache.
1610 brannte der Dachstuhl der Klosterkirche auf dem Michelsberg komplett aus. Der Brand wurde einem Dachdecker zur Last gelegt. Dieser hatte bei Reparaturarbeiten am bleigedeckten Dach das Kohlenbecken für die Bleischmelze nicht von seinem Arbeitsplatz nach unten getragen und so den Brand verursacht. Die Löscharbeiten waren sehr schwierig, da das geschmolzene Blei in den Kirchenraum tropfte. Nur Teile des Chors und das Grab Ottos blieben unversehrt. Im Zuge der Reparatur erhielt das Langhaus ein neues Gewölbe und zwei neue Türme. Für die Bauarbeiten zeichnete der Baumeister Lazaro Agostino verantwortlich.
1611 übergab Johann Gottfried den Jesuiten die Leitung des Gymnasiums Collegium Ernestinum. Die Jesuiten sollten den Trienter Konzilsbeschluss, die Priesterausbildung zu reformieren, in Bamberg umsetzten.
Bengt Bengtsson Oxenstierna erwähnt Bamberg in seinen Reiseaufzeichnungen.
1613 zog das, erst zwei Jahre zuvor gegründete, Ernestinum in den neugebauten Kollegiumsschulbau in der Austraße um. Heute befinden sich in dem Renaissancebau Räume der Bamberger Universität.
1613 übernahmen die Jesuiten, neben dem Gymnasium, auch die Leitung des Priesterseminars, sowie ab 1614 die Leitung der restlichen 13 Bamberger Stadtschulen, der fünf Spitäler und zweier Leprahäuser.
1614 wurde das Deckengemälde, der sogenannte Bamberger Himmelsgarten, in der renovierten Klosterkirche des Klosters St. Michael fertiggestellt. Das gemalte Herbarium zeigt 578 unterschiedliche Pflanzen. Die Blumen und Kräuter, aber auch Bäume sowie Moose sind in einer nie gekannten Detailtreue dargestellt.
Die Weihnachtskrippe in St. Martin geht auf eine Tradition zurück, die Anfang des 17. Jahrhundert in Alt St. Martin ihren Ursprung hatte. Dort wurde seit 1615 ein Weihnachtsspiel mit lebenden Figuren aufgeführt und kurz darauf wurde auch eine Weihnachtskrippe aufgestellt.
1616 – 1619 rollte die erste Welle von Hexenprozessen durch das Hochstift. Die ersten Verfahren fanden nicht in Bamberg, sondern in Hallstadt, Zeil am Main und Kronach 1619 musste der Fürstbischof die Hexenverfolgung einstellen, da die Verfahren und Hinrichtungen mehr Geld kosteten als erwartet. In diesen drei Jahren fielen 155 Menschen dem Hexenwahn zum Opfer, doch es sollte noch schlimmer kommen.
Nach dem Tod des Würzburger Bischofs Julius Echter übernahm der Bamberger Fürstbischof Johann Gottfried dessen Amt und regierte beide Bistümer in Personalunion. Ein Zustand, der sich in den folgenden Jahrhunderten noch des Öfteren wiederholen sollte.
1618 brach der Dreißigjährige Krieg aus. Der Bamberger Bischof stellte dem Kaiser und der Katholischen-Liga 13000 Soldaten zur Verfügung. Zu Beginn des Krieges blieb die Stadt von unmittelbaren Kriegshandlungen verschont, doch das sollte sich noch ändern.
Literatur:
Karin Dengler-Schreiber: Zerstörung und Wiederaufbau als Element von Stadtentwicklung am Beispiel des Dreißigjährigen Krieges: PDF:
Am 29. Dezember 1622 verstarb Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen auf einem Fürstentag in Regensburg, den Kaiser Ferdinand II. einberufen hatte.
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