DIE GESCHICHTE BAMBERGS

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19. Jahrhundert

Der Weinbau wurde vom Anfang des 19. Jahrhunderts mehr und mehr durch den Hopfenanbau abgelöst. Zum einen sank nach der Säkularisation die Nachfrage nach Bamberger Wein, zum anderen konnte die Qualität nicht mit den immer günstiger werdenden Importweinen mithalten. Als dann im Winter 1829/30 die meisten Weinstöcke einer langen Frostperiode zum Opfer fielen war das Ende für den Bamberger Weinanbau gekommen. Auch die Regierung unterstützte den Umstieg und forcierte den Anbau von Hopfen. Doch wurde die Bierwürze nicht nur auf den freigewordenen Feldern angebaut, auch der Handel mit den Dolden blühte auf. Und so entwickelte sich Bamberg im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum des europäischen Hopfenhandels. Waren 1861 Einundzwanzig jüdische Familien im Hopfenhandel tätig so waren es um 1900 schon Einhundertzehn. Viele dieser Unternehmer siedelten sich im Haingebiet an .

Im Mai 1800 wurde dem schon greisen Bamberger Fürstbischof Buseck der Fürstbischof von Würzburg, Georg Karl von Fechenbach, als Koadjutor an die Seite gestellt.

Als 1800 im Zuge des 2. Koalitionskrieges Bamberg sowohl von französischen Truppen, unter General Moreau, als auch von österreichischen Truppen besetzt worden war, floh Fürstbischof Christoph Franz von Buseck mit dem Domschatz in die Feste Coburg. Bamberg fiel im September 1800 endgültig an die Franzosen und blieb bis April 1801 von diesen besetzt.

1801 erwarb Dr. Adalbert Friedrich Marcus, der Leiter des Krankenhauses, die Ruine der Altenburg um diese vor dem gänzlichen Verfall zu retten. Nach dem Tod des umtriebigen Arztes am 26. April 1816 übernahm den Erhalt der Burg der 1818 gegründete Altenburgverein.

1801 führte Dr. Markus, sechs Jahre bevor die Impfpflicht gegen Pocken in ganz Bayern eingeführt wurde, in seinem Amtsbereich Pockenimpfungen durch.

Nach dem Friedensschluss von Lunéville am 09. Februar 1801, zwischen Frankreich und Habsburg, zeichnete sich das Ende des Fürstbistums Bamberg ab. Der Habsburger Kaiser Franz II. ließ seinen Verbündeten Fürstbischof Buseck im Stich und der Kurfürst von Bayern Maximilian IV. Joseph erhielt, zum Ausgleich für seine Gebietsverluste links des Rheins (Kurpfalz), das Fürstbistum Bamberg, in einem Separatfrieden vom 24. August 1801, von Frankreich zugesprochen. Fürstbistümer wie Bamberg, Würzburg oder Mainz waren zu schwach um sich gegen die großen Akteure der Napoleonischen Zeit zur Wehr zusetzten.

Im Jahr 1802 wurde die "Königlich privilegierte Schaubühne", das spätere E.T.A. Hoffmann Theater, von Julius Reichsgraf von Soden gegründet.

Noch bevor der Reichsdeputationshauptschluss am 25. Februar 1803 veröffentlicht wurde, überschritten am 1. November 1802 bayerische Truppen die Grenzen des Fürstbistums und besetzten am 6. November die Residenzstadt Bamberg. Am 22. November wurde Johann Wilhelm Freiherr von Hompesch zum Generalkommissar für die fürstbischöflichen Provinzen ernannt. Unter dessen Führung vollzog der Geheimrad Franz Wilhelm von Asbeck die weiteren Okkupationsmaßnahmen. Am 28. November wurde das bayerische Wappen an die Stadttore Bambergs angeschlagen. Tags darauf legte der greise Fürstbischof Christoph Franz von Buseck seine weltlichen Ämter nieder und entband seine Beamten und Untertanen von ihrem Treueid. Die Regierung in Bamberg übernahm Generalkommissar Stephan Nikolaus Freiherr von Stengel. Fast sang und klanglos gingen die nahezu Achthundert Jahre Herrschaft der Bischöfe über die Stadt Bamberg und das Fürstbistum zu Ende. Für die Stadt bedeutete es eine Art Befreiung, eine Blüte an bürgerlicher Kultur, eine Zunahme an Industrie, aber auch an Handel, Militär und Menschen. Am Ende des Jahrhunderts sollte Bamberg die sechstgrößte Stadt Bayerns sein.

Knapp sechs Wochen später läutete Max IV. Joseph in Bamberg die Säkularisation ein. Am 7. Januar 1803 wurde eine "Churfürstliche Spezial-Kommission in Administrativ-Angelegenheiten der Stifte und Klöster" eingesetzt. Von den Bamberger Frauenklöstern blieb nur das Englische Institut verschont, denn die Bildung von Mädchen wurde als nützlich für den Staat erachtet. Das Institut durfte jedoch keine neuen Klosterfrauen mehr aufnehmen. Alle anderen Männer,- und Frauenklöster, insgesamt sieben sowie drei von vier Kollegiatstiften wurden aufgelöst. Die Mönche bzw. Nonnen wurden auf Sammelklöster verteilt oder von ihrem Gelübde entbunden und ins Privatleben entlassen. Die Kirchen und Nebengebäude wurden ausgeräumt und in Magazine, Kasernen oder Lazarette, umfunktioniert. Einige, Kirchen, Kapellen und 3 Stadttore wurden abgebrochen, andere zu einer Spiegelrahmenfabrik oder einer Porzellanmanufaktur umgewitmet. Die beweglichen Güter wie Möbel, Bücher, liturgische Geräte, Gemälde und Schmuck wurden verscherbelt, die Gewinne flossen nach München. Zum Glück gelang es einflussreichen Bamberger Bürgern viele dieser Kunstschätze zu erwerben und in ihre Sammlungen zu retten. Zum Beispiel wurde die Sammlung von Martin Joseph von Reider zum Grundstock des Bayerischen Nationalmuseums in München. Dennoch war der Aderlass an Kunst,- und Kulturgütern für die Stadt unwiederbringlich.

Am 31. Januar 1803 ernannte Max IV. Joseph den ehemaligen fürstbischöflichen Leibarzt Dr. Adalbert Friedrich Marcus zum Medizindirektor für die Fürstentümer Bamberg und Würzburg. Sogleich begann der Leiter des Allgemeinen Krankenhauses mit der Neuorganisation des Medizinwesens in Bamberg. In das aufgelassene Kloster Michelsberg zog am 20. Dezember das Bürgerspital, welches sich bis dato am Maxplatz befunden hatte (Heute Karstadt) um; das Kloster beherbergt bis heute ein Seniorenheim. Die Bamberger Siechenhäuser fasste Marcus in einem Krankenhaus für unheilbar Kranke im aufgelösten Aufseesianum zusammen. Des Weiteren initiierte die Errichtung einer Nervenheilanstalt im ehemaligen Benediktinerpropstei St. Getreu oberhalb des Michelsbergs das erste moderne "Irrenhaus" Deutschlandweit. Bis heute dienen die Gebäude als Nervenklinik.

Als Entschädigung für die verlorene Regierungshoheit erhielt Bamberg vorübergehend den Sitz der Kreisregierung, musste diese jedoch 1810 an Bayreuth abgeben. Dafür wurde Bamberg 1808 zum Sitz des bayerischen Appellationsgerichtes, welches bis 1902 im Schloss Geyerswörth tagte.

Nach den Klöstern wurde 1803 auch die Universität aufgelöst. Nur die theologische und die philosophische Fakultät blieben erhalten und wurden in ein königliches Lyzeum überführt, somit konnte der Klerus weiterhin in der Stadt ausgebildet werden. Die über die Landesgrenzen hinaus bekannte medizinische Fakultät wurde in eine klinisch-medizinisch-chirurgische Schule überführt um Ärzte praktisch zu schulen und Wundärzte auszubilden.

Dem ehemaligen Zisterziensermönch und Bibliothekar des Klosters Langheim Heinrich Joachim Jäck fiel die Aufgabe zu, aus den Buchbeständen der säkularisierten Klöster und den Restbeständern der aufgelösten Universität die neugegründete, zunächst die kurfürstliche, dann königliche und ab 1918 staatliche Bibliothek zu bestücken. Jäck richtete sich und die Bibliothek im ehemaligen Jesuitenkolleg in der Au ein und begann sofort weitere Bücher für die Bibliothek zu sammeln. Doch nicht nur Bücher, auch das kulturelle Leben Bambergs, lag dem Feingeist am Herzen und so war er u.a. Gründungsmitglied des Bamberger Tagblattes, des Kunstvereins sowie des Historischen Vereins. Jäck starb 1847 im Alter von 70 Jahren in Bamberg.

Ebenfalls 1803 begann die Umgestaltung des Auwaldes auf dem Unteren Mühlwörth, in einen Volkspark, der den Englischen Garten in München zum Vorbild hatte und der zweite seiner Art in Bayern sein würde.

Die Regierungsübernahme durch Bayern hatte auch für die jüdische Bevölkerung Auswirkungen, sie wurde aus dem Schutz des Fürstbischofs entlassen und dem bayerischen Herzog unterstellt. Daraufhin mussten die Juden kein Schutzgeld mehr an das Fürstbistum abführen, sehr wohl aber bis 1831 an die Stadt Bamberg.

Der spätere Bamberger Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Franz Ludwig von Hornthal ließ 1803 eine öffentliche Straßenbeleuchtung mit 250 Öllaternen installieren.

1804 wurde der Monopteros, auch Druidentempel genannt, von Schloss Seehof in den Hain versetzt. Der der Natur gewidmete Tempel war das erste Gebäude im Volkspark und bildete den Abschluss des Theresienhaines.

1805 wurde (Alt) St. Martin abgerissen. Die Kirche hatte über Jahrhunderte das Zentrum der Inselstadt geprägt und war über einem Vorgängerbau aus dem 11. Jahrhundert errichtet worden. Dieser soll einmal zu den karolingischen Slavenkirchen gehört haben, ein anderes Mal sogar auf die Merowinger zurückgehen, beide Theorien lassen sich nicht belegen. An Stelle des Kirchenbaus sollte zwischen Neuem Rathaus und dem ehemaligen Bürgerspital ein repräsentativer Platz entstehen, doch ging der Geschlossene Eindruck des Ensembles leider verloren.

Am 28. September 1805 verstarb der letzte Bamberger Fürstbischof Christoph Franz von Buseck, vollkommen unbemerkt von der Öffentlichkeit. Zum Nachfolger wurde dessen ehemalige Koadjutor und Fürstbischof von Würzburg Georg Karl Ignaz Freiherr von Fechenbach. Nach dem Tod Fechenbachs 1808 blieb der Bamberger Bischofsstuhl bis 1818 unbesetzt.

Von 1805 bis 1867 diente die Neue Residenz Bambergs den Wittelsbachern als Nebenresidenz. Herzog Wilhelm in Bayern residierte hier von 1807 bis 1837. Ab 1837 wohnte für einige Jahre der Enkel Wilhelms Herzog Maximilian in Bamberg. 1843/44 lebte Kronprinz Max, der spätere bayerische König Maximilian II. in der Residenz. Von 1864 bis 1867 hatte das ehemalige griechische Königspaar Otto und Amalie ihren Lebensmittelpunkt in Bamberg.

Als Belohnung für die Unterstützung Napoleons bei der Drei-Kaiser-Schlacht bei Austerlitz, erhob der französische Kaiser am 1. Januar 1806 das Herzogtum Bayern zum Königreich und den bayerischen Kurfürsten zu König Maximilian I. Joseph.

Auf seinem Vormarsch durch Deutschland nahm der französische Kaiser Napoleon I. in der Neuen Residenz für drei Tage Quartier. Hier verfasste er am 6. Oktober 1806 eine Proklamation an seine Truppen, um diese auf den Krieg gegen Preußen einzustimmen. Noch in der Nacht zogen die Franzosen in Richtung Coburg, Bayreuth, Kulmbach ab. Schon am 14. Oktober 1806 schlugen Sie in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt die Preußen vernichtend.

1807 wurde der Arzt Jakob Dessauer in Bamberg geboren. Als Arzt erforschte er u.a. das Cholesterin. In der Stadt setzte er sich für die Armenfürsorge ein und ab 1844 war er Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde. Unter seiner Vorstandschaft konnte am 18. Oktober 1851 ein jüdischer Friedhof auf dem Stadtgebiet eingeweiht werden.

Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel kam im November 1806 nach Bamberg. Der Verleger Joseph Anton Göbhardt sollte Hegels Hauptwerk - Phänomenologie des Geistes - drucken. Nach der Schlacht von Jena und Auerstedt konnte Hegel nicht nach Jena zurück, deshalb übernahm er die Redaktion der "Bamberger Zeitung". Unter Hegels Regie zählte die "Bamberger Zeitung" zu den bedeutendsten politischen Zeitungen in Deutschland. Doch bald fielen Hegels Artikel den bayerischen Zensurbehörden unliebsam auf und er wurde mehrmals wegen unerlaubter Veröffentlichungen ermahnt. Im Herbst 1808 verließ Hegel Bamberg in Richtung Nürnberg wo er einen Lehrauftrag erhalten hatte. Zum Gedenken an den großen Philosophen wird von der Bamberger Uni jährlich eine Hegelwoche abgehalten.

Am 19. Juni 1807 genehmigte der Kurfürst die Errichtung einer evangelischen Pfarrei, mit der aufgelassenen Stiftskirche St. Stephan als Pfarrkirche.

Zur Erhaltung der gut gepflasterten Straßen Bambergs, wurde ab 1807 ein Pflasterzoll erhoben.

Das Stadttheater erhielt 1808 am Schillerplatz ein neues Haus. Der klassizistische Bau wurde von Freiherr Ferdinand von Hohenhausen ausgeführt. Der Gründer des Theaters Reichsgraf Julius von Soden berief am 1. September E.T.A. Hoffmann als Musikdirektor nach Bamberg. Doch konnte der studierte Jurist die Erwartungen an einen Musikdirektor nicht erfüllen und so waren die Tage Hoffmanns in Bamberg nicht gerade glücklich zu nennen. Er musste sich als Kapellmeister, Dichter, Bühnenmaler und Musiklehrer verdingen um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Zwar fand das Bürgertum schnell gefallen an dem bunten Vogel Hoffmann, aber erst später erkannte man welch hellen Geist die Stadt beherbergt hatte. Trotz der Umstände oder gerade deswegen entstanden hier einige der bekanntesten Werke des romantischen Dichters. (Ritter Gluck; Der Goldene Topf; Don Juan; Johannes Kreisler's, des Kapellmeisters musikalische Leiden; Nachrichten von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza; Aurora; Undine). Hoffmann scheint froh gewesen zu sein das er am 21. April 1813 Bamberg in Richtung Dresden verlassen konnte. In seinem Tagebuch bezeichnete er seine Jahre in Bamberg als "die boeseste aller Zeiten".

Ab 1809 wurde die "Bamberger Zeitung" unter dem Titel "Fränkischer Merkur" wieder aufgelegt. Einer der Redakteure war der Schriftsteller, romantische Dichter und Demokrat Dr. Friedrich Gottlob Wetzel, der von 1809 bis zu seinem Tod am 29. Juli 1819 in Bamberg wohnte.

1809 sind in Bamberg noch 21 Schiffer mit 20 großen Schiffen, die rund 820 Zentner trugen, sowie 3 kleineren Schiffen und 47 Schelchen in unterschiedlichen Größen, beurkundet.

Ab 1810 befand sich in der "Alten Maut", heute Grüner Markt 5, das bayerische Zoll,- und Mautamt.

Nach seiner Ausbildung und langen Reisen durch Deutschland ließ sich 1810 der Maler und Zeichner Friedrich Karl Rupprecht in Bamberg nieder. Er fertigte viele detailreiche Stiche der Stadt an und beteiligte sich rege am Bamberger Kulturbetrieb. Er wirkte aber auch an der Stilbereinigung des Domes, die König Ludwig I. 1820 initiiert hatte, mit.

1811 lag die Einwohnerzahl bei 17095.

1811 wurde St. Anna, die Klosterkirche des 1805 aufgelösten Franziskanerklosters an der Schranne, abgebrochen. Der U-Förmige Konventsbau von 1716 blieb erhalten. Nun aber regte sich Widerstand gegen die Abrisswut der bayerischen Regierung und so konnten die Bamberger Bürge mit ihren Protesten den Abriss der Jakobskirche sowie der Sebastianikapelle verhindern.

1812 wurde das ehemalige Drudenhaus, auch Hexen- oder Malefizhaus genannt, abgebrochen. Das Haus war zur Zeit der Hexenprozesse erbaut worden und diente einzig dem Zweck Hexen und Hexer einzukerkern und zu foltern.

Von 1812 bis 1817 lehrte der Entdecker des Ohmschen Gesetztes Georg Simon Ohm am Alten Gymnasium in Bamberg.

Mit dem Matrikel-Gesetzt von 1813 sollten die jüdischen Bürger den Christlichen gleichgestellt werden. Juden durften wieder handwerkliche Berufe ergreifen, was ihnen seit 1215 verwehrt worden war. Auch durften jüdische Kinder nun öffentliche Schulen besuchen. Im Gegenzug mussten die Juden sich einem Deutschen Nachnamen wählen und sich in eine Liste, eine Matrikel, eintragen. In Bamberg trugen sich 69 jüdische Familien mit ihrem neuen Nachnamen in diese Liste ein. Diese Anzahl wurde alsbald zur Norm erhoben und es durften sich nie mehr als 69 Familien in Bamberg ansiedeln, ein Grund weshalb viele Bamberger Juden nach Amerika auswanderten.

Am 21.Juni 1814 wurde Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach als Richter an das Appellationsgericht in Bamberg versetzt, wo er bis Januar 1816 seinen Dienst versah. Feuerbach galt und gilt als der Schöpfer des deutschen Strafrechtes. Er hatte die Vorlage für das bayerische Strafgesetzbuch, welches 1813 in Kraft trat, ausgearbeitet. Auf seiner Arbeit fußt das heutige Strafgesetzbuch.

Zum Ende der Napoleonischen Kriege 1815 musste die Stadt über das Jahr verteilt 200000 Soldaten beherbergen.

Um die Mittagszeit des 1. Juni 1815 ereignete sich der Bamberger Fenstersturz. Der französische Marschall, Freund und Vertrauter Napoleons und Schwiegersohn des Herzogs Wilhelm in Bayern, Alexandre Berthier stürzte unter mysteriösen Umständen aus einem Fenster im dritten Stock der Neuen Residenz zu Tode. Nachdem Napoleon von Elba geflohen war, war Berthier zwischen die Fronten geraten und in Bamberg festgesetzt worden, da man befürchtete, dass er sich Napoleon wieder anschließen könnte. Ob Berthier gestoßen wurde oder ob er freiwillig aus dem Leben schied war lange Zeit umstritten, doch aufgrund seiner Langjährigen Depression ist sein Freitod wohl am wahrscheinlichsten. http://www.bamberga.de/bamberger_fenstersturz.htm

1815 entstand im Hain das städtische Badehaus "Salubritati" (dem Wohlbefinden), ein Name der bald vom Volksmund zu "Sau-luder-badi" verballhornt wurde. 1914 musste der klassizistische Bau dem Bootshaus weichen.

Durch das Bayerische Konkordat mit dem Vatikan von 1817 wurde Bamberg zum Erzbistum erhoben, ihm wurden die Bistümer Eichstätt, Speyer und Würzburg unterstellt. Das Bamberger Erzbistum reichte von Hof bis Nürnberg und von Ebrach bis Bayreuth. Zum ersten Erzbischof wurde der Bischof von Eichstätt Joseph Graf von Stubenberg (1818 - 1824), durch den bayerischen König, ernannt.

Mit der Entlassung des bayerischen Ministers Montgelas, sowie der Verabschiedung der bayerischen Verfassung von 1818 und der Gründung einer Kammer der Reichsräte, wurde der Weg für eine freiere Gemeindeverwaltung in Bayern geebnet. Bamberg erhielt einen Magistrat mit zwei Bürgermeistern, zwölf bürgerlichen Räten und eine Stadtordnung, die sich über ein Jahrhundert bewährte. Erster Bamberger Bürgermeister wurde der Jurist und Polizeidirektor Dr. Franz Ludwig von Hornthal. Von 1819 bis 1822 war er der erste Bamberger Landtagsabgeordnete in München. Außerdem war er ein bedeutender politischer Schriftsteller und machte sich um seine Heimatstadt sehr verdient. Doch nicht erst mit der neuen Verfassung zog ein liberaler Geist in die Stadt ein, schon früher herrschte in dem Freundeskreis um Dr. Marcus ein freier Geist. Auch war Bamberg ein Zentrum der Romantik und der Forderung nach einer einheitlichen deutschen Kulturnation.

1819 kam es in ganz Franken zu den antijüdischen "Hep-Hep-Unruhen". Auch in Bamberg kam es zu pogromartigen Ausschreitungen, mit dem Ziel die beginnende Emanzipation der Juden wieder rückgängig zu machen.

Das erloschene Domkapitel wurde, im Zuge der Errichtung des Erzbistums, als Metropoliten-Kapitel wiederbelebt. Es setzte sich aus dem Domprobst, dem Domdekan sowie zehn Domkapitularen und sechs Domvikaren zusammen und war das höchste Leitungsgremium des Erzbistums.

1823 wurde der ehemalige fürstbischöfliche Koppenhof an der Nürnberger Straße in der Nähe der Wunderburg, wo Pferdezucht betrieben worden war, zur Kavalleriekaserne umfunktioniert.

Am 12.12.1823 gründeten Bamberger Bürger den Kunstverein Bamberg, der zu den ältesten und traditionsreichsten Kultureinrichtungen Deutschlands gehört. Der Kunstverein, die Harmonie, der Altenburgverein und nicht zuletzt das Theater waren Ausdruck des aufstrebenden Bürgertums zu Beginn des 19.Jahrhunderts.

1824 übernahm Joseph Maria Freiherr von Fraunberg (1824 - 1842) das Erzbistum.

Bamberg blickte 1825 auf eine lange Mühlentradition zurück. Schon in der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt 973 werden Mühlen erwähnt, eine mittelalterliche Stadt ohne die Nutzung der Wasserkraft ist auch nur schwer vorstellbar. In jedem Fall drehten sich in der Regnitz zu diesem Zeitpunkt noch 40 Mühlräder.

1825 gründete der Stadtrat die Bamberger Stadtsparkasse.

Im gleichen Jahr wurden an den Ausfallstraßen Bambergs die ersten Ortstafeln aufgestellt.

Nach mehrfachem Intervenieren des Bamberger Erzbischofs Stubenberg bei König Ludwig I. durfte das Englische Institut ab 1827 wieder neue Frauen in ihren Konvent aufnehmen.

1828/1829 entstand zwischen Hauptwachstraße und Königstraße die Ludwigbrücke, im Volksmund Kettenbrücke genannt. Sie war die erste ihrer Art in Bayern und wurde in nur 18 Monaten, unter der Leitung des Ingenieurs Franz Schierlinger, an Stelle der abgegangenen Seesbrücke, erbaut. Sie musste zwar 1891 wegen Sicherheitsbedenken abgebrochen werden, doch bis dahin war sie eine Bamberger Sehenswürdigkeit.

Zwischen dem 24. und dem 26. Juni 1829 hielt sich König Ludwig I. von Bayern erstmals in Bamberg auf. Eine Nebenwirkung dieses königlichen Besuches war die Purifizierung des Doms. Der König wollte die Kathedrale in seinen ursprünglichen romanisch-gotischen Zustand, dem damals sogenannten "Deutschen Stil", zurückversetzten lassen. Die Wände wurden bis auf den nackten Stein abgewaschen, der barocke Schmuck, viele Altäre und die meisten Bischofsgrabmale wurden in den Michelsberg verbracht oder in Kellerräumen eingelagert. Die mittelalterlich bunte Fassung ging bis auf klägliche Reste verloren. Im Mittelalter hätte man den Dom nun als Rohbau angesehen. Was die Romantiker die es nach Bamberg, einem Sehnsuchtsort dieser Bewegung, zog wohl nicht bewusst gewesen sein dürfte.

Das 1738 gegründete Aufseesianum erhielt 1829 seine ursprüngliche Bestimmung als Schülerinternat zurück und dient bis heute als solches. Ebenso wurde das Waisenhaus, ehemals am Unterern Kaulberg, wiederbelebt. Es ging auf eine der ältesten Stiftungen der Stadt zurück und wurde unter dem Namen "Seelhaus auf dem Kaulberg" im 15. Jahrhundert erstmals erwähnt.

Der ehemalige Steinweg, der auf eine 805 urkundlich erwähnte karolingische Handelsstraße zurückging wurde 1830, zur Erinnerung an den Besuch König Ludwig I. von Bayern, in Königstraße umbenannt.

Um 1830 befanden sich noch 56 Brauereien auf dem Stadtgebiet, davon allein 23 im Steinweg bzw. der Königstraße. Bis heute haben noch elf Brauereien in Bamberg überlebt. Nicht umsonst ist Franken das Gebiet mit der größten Brauereidichte der Welt.
Auf Anregung des Königs gründete sich am 8. Juli 1830 der Historische Verein. Er hatte sich die Erforschung und Bewahrung der Geschichte des Hochstifts Bamberg auf die Fahnen Gedschrieben. Ebenso wie der Altenburgverein (1818) oder die "Gesellschaft Harmonie" (1791) besteht der Historische Verein bis heute.

Ab 1831 mussten die Bamberger Juden keine Schutzgelder mehr an die Stadt abführen.

1832 vollzog der Bamberger Henker die letzte öffentliche Hinrichtung. Der Raubmörder Johann Georg Pröschel, welcher seinen Gefährten Gottlieb Klein bei Gaustadt erdrosselt hatte, wurde mit dem Schwert hingerichtet.

Mit der Eröffnung der Löwenapotheke befanden sich 1833 fünf Apotheken auf dem Stadtgebiet.

Am 1. November 1833 eröffnete die "Vereinigte Landwirtschaftliche- und Gewerbeschule" ihre Tore. Die Schulräume befanden sich im Hochzeitshaus am Kranen. Bis 1857 wuchs die Schülerzahl auf 304 an und die Bamberger Gewerbeschule wurde die zweitgrößte ihrer Art in Bayern.

1833 verlegte der Porzellankunstmaler Carl Schmidt sein Unternehmen das Schmidt'sche Porzellan- und Malinstitut von Coburg nach Bamberg. Eine Spezialität der Firma waren das Kopieren von Bildern auf Porzellanplatten. Die Firma konnte sich schnell etablieren. Zu den Kunden zählten König Lidwig I. von Bayern oder Queen Victoria. schon in den 1870er Jahren gingen die Verkaufszahlen jedoch zurück, 1914 musste die Produktion eingestellt und 1923 die Firma endgültig aufgelöst werden.

Am 30. Oktober 1834 erschien das "Bamberger Tagblatt" erstmals. Gründer und Verleger war Johann Michael Reindl.

1835 ließ der Altenburgverein eine Burgkapelle und eine Gaststätte auf der Altenburg errichten.

Der Bamberger Männergesangsverein mit dem Namen "Liederkranz", heute Oratorienchor, wurde im selben Jahr ins Leben gerufen.

Aus dem 1835 gegründeten Taubstummenverein ging 1855 die Taubstummenanstalt hervor. Bis heute befindet sich diese Bildungseinrichtung für Hörgeschädigte am Oberen Stephansberg 44.

1836 Kaufte der Bamberger Landtagsabgeordnete Johann Peter von Hornthal den Fränkischen Merkur. Hornthal wollte da anknüpfen wo die ehemaligen Redakteure Hegel (1807/1808) und Wetzel (1810-1819) aufhören mussten, doch machte die Zensurbehörde dem Radikaldemokraten, wie seinen Vorgängern, das Leben schwer. So musste Hornthal die Zeitung 1847 an den Hauptzollamtsverwalter Hans Julius Freiherr Ecker von Eckhofen verkaufen. Eckhofen war 1844 nach Bamberg versetzt worden und hatte sich seinerseits mit liberalem Gedankengut infiziert. Daher versuchte er die Zeitung in diesem Sinne fortzuführen.

1841 wurde dem Englischen Institut neben dem Internat eine Höhere Mädchenschule angegliedert, diese besteht bis heute als Realschule und Gymnasium.

1842 übernahm Bonifaz Kaspar von Urban (1842 - 1856) das Erzbischofsamt.

1843 ließ der König Ludwig I. in allen Bezirken Bayerns Handelskammern einrichten. In Oberfranken fiel die Wahl auf Bamberg, da es immer noch der bedeutendste Handelsplatz in der Region, sowie Endstation des Ludwigskanals war, außerdem durch die baldige Anbindung an das Eisenbahnnetz auch zukünftig sein würde. Dennoch wurde die Handelskammer 1850 nach Bayreuth, dem oberfränkischen Regierungssitz, verlegt.

1844 erreichte die Eisenbahn Bamberg. Am 22. August wurde die älteste bayerische Staatsbahn, die Ludwig- Nord- Süd- Bahn eröffnet. Der Bamberger Bahnhof lag auf Gärtnerland etwas außerhalb der Stadt. Weshalb der Ausbau der Verbindungsstraße zwischen Bahnhof und Stadt, der Luitpoldstraße, nötig wurde. 1846 erfolgte die Erweiterung der Bahnstrecke nach Lichtenfels, 1848 nach Hof und 1852 über Schweinfurt und Würzburg bis nach Aschaffenburg..

1846 wurde der Ludwig-Donau-Main Kanal nach zehnjähriger Bauzeit für die Schifffahrt freigegeben. Er verband, über eine Strecke von 173 km. Kelheim mit Bamberg. Um einen Höhenunterschied von 183 Metern zu überwinden mussten die Schiffe 100 Schleusen durchfahren. Deshalb war die Transportgeschwindigkeit ehr gering und bei einer maximalen Traglast von 120 Tonnen konnte der Kanal nie rentabel betrieben werden. Alsbald hatte die Bahn den Kanal als Transportweg überflügelt. Eines der wenigen Überbleibsel des Kanals ist die Schleuse 100 in Bamberg, die bis heute funktionstüchtig erhalten blieb.

Während der 48er Revolution nahm Bamberg in Franken eine tragende Rolle ein. So versammelten sich am 4. März 1848 über 1000 Menschen zu einer Kundgebung für mehr Teilhabe am politischen Geschehen. Es war die erste Volksversammlung ihrer Art in Bayern. Unter anderem verlas hier Nikolaus Titus seinen Forderungskatalog, diese "14 Bamberger Artikel" sollten zu einem der bedeutendsten Dokumenten der Revolution 1848 werden. Führer der Demokraten in Bamberg waren der Advokat Nikolaus Titus, der Arzt Dr. Heinrich Heinkelmann, sowie der Redakteur des "Fränkischen Merkur", Karl Heger und Ignatz Prell der sowohl Mitglied des Vorparlaments in Frankfurt als auch der Kammer der Abgeordneten im Bayerischen Parlament war. Nikolaus Titus vertrat Bamberg im Frankfurter Vorparlament, als auch in der Nationalversammlung. Der in Bamberg geborene Heinrich Heinkelmann war Vorsitzender des Demokratischen Vereins in Bamberg und Mitverfasser der "Bamberger Artikel". Er gründete im Januar 1849 das radikal demokratische "Volksblatt". Der von ihm am 27. Mai 1849 einberufene demokratische Kongress in Bamberg führte dazu, dass er am 9. Juni verhaftet wurde. Doch wurde er nach längerer Untersuchungshaft von der Anklage des Hochverrates freigesprochen und wieder auf freien Fuß gesetzt. Außerdem erschien, wie in zahlreichen anderen Städten Bayerns, eine radikaldemokratische Zeitschrift "Der Freund der Wahrheit und des Volkes", ein Probeblatt wurde am 12. August 1848 herausgegeben.

Am 15. März 1848 gab es im Bamberger Tagblatt einen Aufruf an alle Einwohner der Stadt sich im Turnen zu üben um geistig und körperlich für die Zukunft gerüstet zu sein. Das erste öffentliche Treffen zu Turnübungen fand am 24. März am Schönleinsplatz statt. Der so gegründete Turnverein wurde am 6. Mai 1850 von der königlichen Regierung, aus Furcht vor demokratischer Agitation, verboten.

Zwar war 1849 in Bamberg ein Arbeiterverein gegründet worden, doch schon im folgenden Jahr, von der oberfränkischen Regierung, wieder verboten.

Am 6. August 1849 wurde der "Fränkische Merkur" verboten.

Das Scheitern des Frankfurter Parlamentes stärkte die Monarchie und führte dazu, dass sich das endtäuschte Bürgertum ins Privatleben zurückzog. Auch in Bamberg wendete sich der Blick ehr zurück als nach vorne. Nicht wenige wünschten sich die Zeiten als Bamberg Hauptstadt eines Fürstbistums war zurück, für sie wurde das Haus Wittelsbach zum willkommenen Ersatz für den Fürstbischöflichen Hof in der Neuen Residenz.

Ab 1850 ließ die königliche Regierung Erziehungsanstalten für arme verwahrloste Mädchen gründen, so auch in Bamberg die Marienanstalt am Jakobsberg.

Die Franziskaner kehrten 1852 nach Bamberg in ein neues Kloster am Jakobsberg zurück.

1853 gab es noch 68 Fischer in Bamberg. Die Fischer siedelten hauptsächlich am linken Regnitzarm in kleinen dem Fluss zugewandten Fachwerkhäuser, das Viertel trägt heute den Beinamen "Klein Venedig".

Aus einem geplanten Umbau der Dritten Synagoge in der Generalsgasse wurde ein kompletter Neubau. Am 3. November 1853 wurde das neue Bethaus der Gemeinde übergeben.

Am 2. Mai 1855 besuchte der Begründer des Gesellenvereines Adolf Kolping die Bamberger Niederlassung im Kolpinghaus am Mittleren Kaulberg 35.

Die Bamberger Straßenbeleuchtung wurde am 1. Januar 1856 von Öl- auf Gasbetrieb umgestellt, es leuchteten 329 Gaslaternen in der Innenstadt. Die dazu gehörige Gasfabrik stand im Norden der Stadt und erzeugte das Gas aus Steinkohle. Bis 1889 war die Fabrik in Privathand. 1911 erhielt das Gaswerk einen Gleisanschluss und wurde bis in die 60er Jahre vom sogenannten "Gasbockl" mit Kohle versorgt.

1856 gründete der Augsburger Fabrikant Ludwig August Riedinger die Mechanische- Baumwoll- Spinnerei und Weberei Gaustadt. Schnell wuchs die Zahl der Beschäftigten auf 1400 und lange blieb die Spinnerei einer der größten Arbeitgeber in der Region. Ab 1927 Firmierte der Betrieb unter dem Namen "Vereinigte Baumwollindustrie Bamberg-Erlangen" kurz Erba, musste jedoch 1993 die Produktion einstellen.

Der Bamberger Professor und Kunstsammler Martin Joseph von Reider, er selbst bezeichnete sich als "der Bambergischen Altertümer Liebhaber", vermachte 1858/59 dem bayerischen Staat, gegen eine Leibrente, einen Großteil seiner Sammlung. Diese Exponate wurden zum Grundstock des Bayerischen Nationalmuseums.

Als Michael von Deinlein (1858 - 1875) das Amt des Erzbischofs in Bamberg übernahm, arbeiteten in der Stadt noch 540 Gärtnermeister mit rund 400 Gesellen.

1860 wurde die erste Freiwillige Feuerwehr von Karl Grau, Ferdinand Messerschmitt und Martin Lauer gegründet.

1862 wurde die Koppenhofkaserne an der Nürnberger Straße errichtet.

Am 1. Mai 1862 gründen die Vorstände der fränkischen Gesangsvereine den Fränkischen Sängerbund in Bamberg, folgerichtig fand das erste fränkische Sängerfest vom 26. - 29. Juli 1863 in der Domstadt statt.

Am 12. Oktober 1862 wurde der Zoologe Theodor Boveri in Bamberg geboren. Von ihm stammen grundlegende Arbeiten zur Zellen- und Befruchtungslehre, sowie die Chromosomentheorie der Vererbungslehre.

Nach der Gründung der Baumwollweberei in Gaustadt siedelten sich Textilveredelungsbetriebe, wie im Jahr 1863 die Kaliko-Fabrik AG, in Bamberg an. Bis 1988 produzierte sie in der Mußstraße hautsächlich Bucheinbandstoffe (Kaliko). Teile der Betriebsgebäude stehen bis heute und sind Teil eines Welcome Hotels.

König Ludwig I. stiftete eine Statue des Bischofs Erthal, welche 1863 von Wiedemann entworfen und 1865 von Ferdinand Miller gegossen wurde. Sie steht heute vor dem Gebäude der AOK in der Pödeldorferstraße.

Von 1863 bis 1867 lebte der Wittelsbacher Otto von Griechenland, der nach einer Militärrevolte in Griechenland 1862 abdanken musste, in Bamberg im Exil.

Der Wegbereiter der modernen Inneren Medizin Johannes Lukas Schönlein starb am 23. Januar 1864 in seiner Geburtsstadt Bamberg. 1811 hatte er in Landshut ein Medizinstudium aufgenommen, welches er 1816 mit seiner Promotion in Würzburg abschließen konnte, wo er ab 1824 als Professor der Pathologie und Therapie lehrte. Schönleins liberale Einstellung brachte ihn mit der bayerischen Monarchie in Konflikt und er wurde zunächst degradiert und kurz darauf entlassen. So folgte er 1833 einem Ruf an die Neue Züricher Universität wo er ab 1839 wirkte. Dann wechselte er an die Charité nach Berlin, wo er 1842 Leibarzt König Friedrich Wilhelms IV wurde und spätere Koryphäen wie Virchow unterrichtete. 1859 kehrte der geschätzte Arzt in seine Heimatstadt Bamberg zurück wo er 1864 vor seinen Schöpfer trat.

Der Bau der Sophienbrücke 1864 zwischen Luitpold- und Willy-Lessing-Str. förderte die Entwicklung des Gebietes zwischen dem Bahnhof und dem ehemaligen Langgaßer Tor, jenseits der abgebrochenen alten Stadtmauer. Die Brücke wurde später in Luitpoldbrücke umbenannt.

Seit ihrer Gründung 1867 ist die Brauerei Keesmann in der Wunderburg in Familienbesitz.

Am 1. Juni 1867 wurde der Nachtwächterdienst eingestellt und fortan von einer Truppe Schutzmänner ohne Stundenruf versehen. Sie trugen einheitliche Uniformen, Gewehr und Signalpfeife.

Die erste Nähseidenfabrik Bayerns Kupfer, Heßlein & Co wurde 1867 in Bamberg errichtet. 1938 musste der jüdische Firmenleiter Max Sacki die Firma verkaufen. Sie firmierte dann bis zur Schließung 1967 unter dem Namen Leckebusch.

1868 wurden sämtliche Einwanderungsbestimmungen für den Zuzug in die Stadt aufgehoben.

Auf Anregung von Erzbischof Deinlein wurde der 19. Deutsche Katholikentag in Bamberg abgehalten.

Eine andere große Veranstaltung des Jahres 1868 war das 2. Fränkische Sängerfest auf dem Michelsberg.

1869 meldet sich die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SPD) erstmals in Bamberg zu Wort und tritt die Nachfolge des 1850 verbotenen Bamberger Arbeitervereins an.

1870/71 der Deutsch-Französische-Krieg.

1870 schöpfte die Bevölkerung ihr Wasser noch aus 82 öffentlichen und 967 privaten Brunnen. Ab 1874 übernahm die Wasserversorgung eine 32 km lange städtische Wasserleitung. Gespeist wurde das Rohsystem aus einem Sammelbrunnen auf dem Geyerswörth.

1871 war Bamberg mit 25738 Einwohnern die sechstgrößte Stadt Bayerns, 2898 Bürger waren Protestanten, 857 Juden und der Rest Katholiken. Von den Bürgern waren nur rund 10% Wahlberechtigt da das Wahlrecht ein gewisses Einkommen voraussetzte.

Am 1. Januar 1872 wurde durch Dr. Hopfenmüller das "Bamberger Volksblatt" neu aufgelegt. Zunächst erschien das kirchlich geprägte Blatt wöchentlich, später täglich. Das Volksblatt bestand mit einer kurzen Unterbrechung während der NS-Zeit bis 1969.

1872 ließen sich Schwestern des Niederbornner Ordens in Bamberg nieder. Sie waren in die Stadt gerufen worden, um in der Kranken- und Kinderpflege zu arbeiten.

Am 9. Oktober 1873 bezog das 1. Kgl. Bayr. Ulanen-Regiment das neu entstandene Kasernenviertel im Osten der Stadt.

Am Oberen Stephansberg nahm das lange geplante königliche Schullehrerseminar die ersten Lehreranwärter auf. Heute befindet sich hier das E.T.A. Hoffmann Gymnasium.

Deutsche Ärzte stifteten 1874 eine Marmorbüste des berühmten Bamberger Arztes und Gelehrten Dr. Lukas Schönlein für den Schönleinsplatz.

Die 1868 in Münchberg gegründete Klavierfabrik J. C. Neupert siedelte 1874 nach Bamberg um und erwarb sich einen guten Ruf als Spezialfabrik für historische Tasteninstrumente wie Cembalo, Spinett, Klavichord usw..

1875 gründete Heinrich Manz die Manz Schuhfabrik in Bamberg. Außerdem gab er den Anstoß für einen gemeinnützigen Bauverein und finanzierte den Neubau des Palas auf der Altenburg. Außerdem gründet er 1885 eine private Gesellschaft zur Stromerzeugung aus Wasserkraft.

Nachdem Michael von Deinlein 1875 einem Schlaganfall erlegen war, übernahm Friedrich von Schreiber (1875 - 1890) das Amt des Erzbischofs.

1878 wurden die letzten Verkaufsbuden auf der Oberen Brücke abgerissen.

1879 -1880 erhielt, an der Stelle des ehemaligen Kapuzinerklosters, die nach dem 1537 in Bamberg geborenen Mathematiker und Astronom Christoph Clavius benannte Realschule, ein neues Gebäude, heute das Clavius Gymnasium.

1879 legte Johann Baptist Weyermann mit der Gründung einer Malzrösterei auf dem Kaulberg den Grundstein für das heute noch weltweit agierende Unternehmen - Michael Weyermann. 1888 zog die Firma in einen klassizistischen Backstein-Neubau an der Memmelsdorfer Straße um, um mit der Anbindung an die Eisenbahn die Lieferung von Braugerste zu vereinfachen. Über Jahrzehnte entwickelte sich Weyermann zum größten Anbieter von Spezialmalzen Deutschlands und exportiert seine Waren in aller Herren Länder.

1880 hatte die Stadt 29587 Einwohner.

1883 ließ sich der jüdische Hopfenhändler Carl Emanuel Dessauer in der Hainstraße 4 a ein klassizistisches Wohn- und Geschäftshaus errichten. Heute beherbergt die Villa Dessauer ein Kunstmuseum.

1884 Gründung der Bamberger Rudergesellschaft e.V..

1885 gründete der Hopfenhändler Simon Lessing die "Erste Bamberger Exportbierbrauerei Frankenbräu". 1901 verlieh Prinz Rupprecht von Bayern der Frankenbräu den Ehrentitel "Hofbräu" und firmierte dann unter dem Namen "Hofbräu AG".

Die Bamberger Mälzerei wurden 1888 vom Hopfengroßhändler Carl Isidor Dessauer aus der Taufe gehoben.

Der Bau der Baumwollspinnerei in Gaustatt hatte die Textilproduktion in Bamberg beflügelt und mag Auslöser für die Gründung der "Mechanischen Seilerwarenfabrik AG" am 07.01.1885 gewesen sein. Nur neun Monate später nahm die neugebaute Firma in der Jäckstraße 2 ihren Betrieb auf.

1885/86 wurde die Koppenhofkaserne in der Nürnberger Straße um die Holzhofkaserne erweitert.

Eine weitere Industrieansiedlung der Stadt war die 1887 gegründete "Fabrik für Elektrotechnik und Maschinenbau AG". Die Fabrik stellte Waren für den relativ neuen Markt der Elektrotechnik her. Nach eigenen Angaben selbst konstruiert und patentiert.

Am 10.11.1887 wurde der Jurist und Staatsanwalt Dr. Hans Ehard in Bamberg geboren. Er nahm 1923 als Vertreter der Anklage am Hitler-Prozess teil. Von 1946 -1954 und 1960 - 1962 war er Bayerischer Ministerpräsident. Er starb 1980.

Über den linken Regnitzarm wurde 1887 die Markusbrücke geschlagen, sie verband Markus- und Sandstraße und ersetzte den dortigen Fährverkehr.

Von 1887 bis 1890 investierte die Stadt viel in einen Flutkanal und Hochwasserdämme im Hain. Des Weiteren in die Verbreiterung des rechten Regnitzarms und den Bau der Luitpoldbrücke, auch Blaue Brücke genannt. Die Zweipylonen-Brücke aus Gusseisen wurde am 20. September 1890 feierlich eingeweiht und verband den Wilhelmsplatz mit dem Marienplatz. Sie später wurde nach der bayerischen Königin Marie, Gemahlin Maximilians II. in Marienbrücke umbenannt. Diese Baumaßnahmen sollten die Siedlungserweiterung nach Süden in Richtung Wunderburg vorantreiben und die Altstadt vor Hochwasser schützen.

1887 erschien das erste Telefonverzeichnis der Stadt mit 68 Einträgen.

Ferdinand von Miller baute 1888 den Maximiliansbrunnen. Auf dem Sockel steht König Maximilian I. Joseph, er ist umringt von vier Statuen; Kaiser Heinrich II., dessen Gemahlin Kunigunde, Bischof Otto I. und König Konrad III.

1888 kaufte die Stadt die Anlagen der Bamberger Wasserwerke AG.

Am 24. Oktober 1889 wurde die Dr. Remeis- Sternwarte ihrem Zweck übergeben. Der Bamberger Jurist und Amateurastronom Dr. Karl Remeis hatte der Stadt sein gesamtes Vermögen hinterlassen, mit dem Auftrag diese Mittel zum Bau einer Sternwarte zu verwenden.

Ebenfalls 1889 wurde der Zentralsaal eröffnet, diesen großen Saalbau hatten die Mitglieder des Turnerbundes Jahn errichten lassen. Der Turnerbund verkaufte den Saal 1901 an den Evangelischen Verein, dieser eröffnete dort die "Herberge zur Heimat".

1890 zählte die Stadt 35815 Einwohner

Joseph von Schork (1890-1805) übernahm 1890 den Bamberger Erzbischofssitz.

1890 öffnete das Neue Gymnasium, heute Franz-Ludwig-Gymnasium, in der Franz- Ludwig- Straße 13 erstmals seine Pforten für Schüler und Lehrer. Erbaut wurde die neue Schule von Baumeister Hofbauer unter Leitung des kgl. Baurats Boxberger.

Die erste elektrische Straßenbeleuchtung Bambergs führte vom Bahnhof zum Rathaus. Auf einer Strecke von 1,5 Kilometern waren Vierundzwanzig Bogenlampen installiert, diese wurden von zwei Dynamos, welche in den Mühlen in der Nähe des Alten Rathauses standen, mit Strom versorgt.

Der Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein finanzierte die Aufschüttung des ehemaligen Schiffbauplatzes und ließ den Markusplatz am Ausgang der Kapuzinerstraße anlegen.

1890 war der Baubeginn für eine Infanteriekaserne in der Pödeldorfer Straße - Weisenburger Straße. Hier war bis zum Ende des Ersten Weltkriegs das 5. Königlich-bayerische Infanterieregimen stationiert. Im Zweiten Weltkrieg diente die Kaserne als Panzerkaserne. Nach Kriegsende übernahmen die amerikanischen Streitkräfte das Gelände. Mit dem Abzug der Amerikaner 2014 wurde das Gelände frei für die Stadtentwicklung.

Am 23. Mai 1891 wurde die Bamberger Freimaurerloge "Zur Verbrüderung an der Regnitz e.V." feierlich gegründet. Die Loge hatte 75 Mitglieder und ihren Sitz in der Franz-Ludwig-Straße 16.

Zwischen 1891 und 1892 musste die marode gewordene Ludwigbrücke abgebrochen werden. Die Kettenbrücke wurde jedoch nicht wieder als Hängebrücke, sondern als Bogenbrücke errichtet, behielt aber im Volksmund ihren Namen Kettenbrücke. 1945 wurde sie von deutschen Truppen gesprengt und 1953 als Rahmenbrücke neugebaut. Seit 2010 überspannt wieder eine Hängebrücke den rechten Regnitzarm.

Eine Choleraepidemie 1892 zwang die Stadt ein Kanalisationsnetz zu bauen, um die Hygiene in der Stadt zu verbessern. Im Zuge dessen wurde die städtische Straßenreinigung und Müllabfuhr eingeführt.

Die neu errichtete Wunderburgkirche Maria Hilf wurde 1892 der Gemeinde übergeben. Der neugotische Backsteinbau löste die barocke Maria Hilf Kapelle von 1686 ab. 1905 wurde die Wunderburg dann eine eigenständige Pfarrei.

Das Heinrichsblatt erschien am 4. Oktober 1893 erstmals als katholische Wochenzeitung, damals jedoch unter dem Namen "Wochenblatt für das katholische Volk".

Die Brüder Rudolf und Thomas Maisel übernahmen 1894 die Brauerei Sperber und gründeten die Privatbrauerei Maisel, bis 2000 war die Brauerei in Familienbesitz. In den Braukesseln der Brüder soll das erste bayerische Pils gebraut worden sein.

1896 im Zuge der Umgestaltung des Schönleins Platzes wurde die Langgaßkaserne abgebrochen und durch neubarocke Häuser ersetzt.

Unter der Leitung der Nederbornner Schwestern wurde 1897, mit Hilfe eine Stiftung des Lokführers Candidus Mägerl, die Elisabethenanstalt für gefährdete Mädchen eingerichtet. Heute befinden sich in den Räumen die Fachakademie für Sozialpädagogik.

Am 1. November 1897 ratterten die ersten blau-gelben Wagen der Bamberger Schmalspur- Straßenbahn durch die Stadt. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges betrieb die Elektrische Straßenbahn Bamberg AG, die insgesamt 10,6 km lange Straßenbahnstrecke. Danach ging die Bahn in den Besitz der Stadt über, doch 1922 musste der Straßenbahnbetrieb eingestellt werden, da sie nie wirklich rentabel arbeitete.

1898 öffnete die Bamberger VEDAG AG ihre Pforten.

1898 trat Hans Erlwein das Amt des Bamberger Stadtbaurats an. Dem neuen Stadtbaumeister verdank die Stadt den Bau der Luitpoldschule, den Schlachthof, das Elektrizitätswerk (heute VHS), das Chirurgische Gebäude am Alten Krankenhaus (heute Stadtarchiv). Da die Position des karrierebewussten Erlwein in Bamberg zunehmend schwieriger wurde und er die Möglichkeit bekam Stadtbaurat in Dresden zu werden verließ er 1904 die Stadt. im Nachhinein betrachtet ein großer Verlust für Bamberg.

Zwischen 1899 und 1901 leitete Hans Erlwein den Anbau der chirurgischen Abteilung am Allgemeinen Krankenhaus. Wie schon 100 Jahre zuvor das Krankenhaus, konnte nun auch die chirurgische Abteilung Maßstäbe im Krankenhausbau setzten. Heute beheimatet das Gebäude das Stadtarchiv.

Am 7./8. Oktober 1899 hielt sich, anlässlich der Enthüllung seines Denkmals auf dem Domplatz, Prinzregent Luitpold von Bayern in Bamberg auf.

Der große Bauboom der um 1890 einsetzte, begünstigte die Gründung der Städtischen Baugewerbeschule 1899.